Äh ja, Werkstattfilm – Wer nicht will, der hat schon?
Oldenburg. „Jetzt sei Schluss mit lustig“, betont der Werkstattfilm-Chef Farschid Ali Zahedi entschlossen. „Wir werden nicht weiter betteln“. Anerkennung für die Arbeit alleine reiche nicht mehr aus. Wenn sich die Stadt Oldenburg, das Land Niedersachsen oder die Oldenburgische Landschaft jetzt nicht zu einer stärkeren Unterstützung für das Archiv von Werkstattfilm e. V. entscheiden würden, müsse das „ungewollte Kind“ zur Adoption freigegeben werden. Mit einer Unterschriftenaktion (Werkstattfilm News und Postkarten) können die Bürger/innen für den Erhalt des Archives stimmen.
Seit 1992 sammeln Farschid Ali Zahedi und die ehrenamtlichen Mitarbeiter Film- und Fotomaterial. Heute besteht das Archiv aus zirka 1200 Filmrollen mit 180 000 Metern Medien, zirka 1500 MiniDV-Bändern mit 60 000 Minuten Film, zirka 1000 VHS-Filmen und rund 110 000 Fotos, unter anderem von dem jüdischen Fotografen Gustav Thal und der Fotografin Ilse Rosemeyer. Zum Bestand gehören auch mehr als 370 Stunden Filmmaterial mit Zeitzeugen. Das audiovisuelle Erbe wird von Fernsehsendern (auch aus dem Ausland) und Zeitungen genutzt, Schulklassen und Institutionen steht es zur ebenso Verfügung. Auch die „Huntesicht März“ zeigte zum Thema „Alter Stadthafen“ bewegte Bilder, die der Verein Werkstattfilm aufbereitet hat. Filmvorführungen wie beispielsweise „Perlen aus unserem Archiv“ müssen mehrfach wiederholt werden, weil sich Hunderte von Bürgern dafür interessieren.
Zwischen 60 000 und 80 000 Euro stehen dem Verein jährlich zur Verfügung. Neben Landesmitteln und den Erlösen aus DVD-Verkäufen trägt die Stadtverwaltung 15 000 Euro, wovon 7500 Euro für die Miete der Räume in der Katharinenstraße 1 gezahlt werden müssen. Es fehlt das Geld für mindestens eineinhalb Stellen, die für die verantwortungsvollen Aufgaben wie Restaurierung, Digitalisierung sowie Aktualisierung der Hard- und Software benötigt werden. „Bisher ist auch nicht ansatzweise ein Archiv dieser Größenordnung zu erhalten“, so der Werkstattfilm-Chef. Über eine angemessene Bezahlung des Fachpersonals könne überhaupt nicht nachgedacht werden. Auf eigene Initiative habe man für die große Sammlung den Bunker unter der Donnerschwee-Kaserne gefunden und renoviert. Natürlich müssen die Medien weiterhin regelmäßig gepflegt und erneuert werden, sonst droht der Verfall.
Das Filmarchiv wird Ende des Jahres aufgegeben, wenn nicht noch ein Wunder geschieht. Angesprochen sind die Stadt Oldenburg, das Land Niedersachsen und die Oldenburgische Landschaft. Sonst müsse das Archiv von Werkstattfilm e.V. verkauft werden. Das könne bedeuten, dass die Sammlung der Öffentlichkeit nicht mehr zur Verfügung steht. Interessenten gäbe es schon einige. Die favorisierte Lösung wäre jedoch eine Stiftung. Nicht bedroht sind die Filmarbeit, Seminare und Workshops. „Im Leben muss man Entscheidungen treffen, auch wenn es weh tut“, so Zahedi, der die seit Jahren anhaltende Situation als krank machend empfindet. „Dann wird Energie für andere Projekte frei“. (am)
Die Werkstattfilms News können hier als PDF heruntergeladen werden.






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