PAZZ 2012: Wenn das Handy klingelt … Banküberfall
Oldenburg/nb (abgedreht.). Pure Eigenbeteiligung gibt es beim PAZZ-Festival in “Blast Theory – A Machine To See With”. Hierbei wird man angerufen und durch die Stadt gelotst, ganz wie im Spionagethriller auf dem Weg zum Banküberfall. Wer von den Menschen auf der Straße ist Feind, wer Freund?
Los geht es in der “ContainerCity” an der Exerzierhalle. (Galeriefoto 1) Das Handy klingelt. Eine Stimme leitet einen in die Fußgängerzone Oldenburgs. “Alles was Sie tun, ist Ihre Verantwortung.” und “Beobachten Sie die Menschen.”, sagt sie – schnell hat man wirklich das Gefühl, in einer brenzligen Situation zu sein. (Galeriefoto 2) Die im Stress vorbeieilenden Menschen und da bist du, mit einer unbekannten Stimme am Ohr, die dir Instruktionen gibt.
Fotos: Falk Wiechert
(Galeriefoto 3) Als erstes verleitete die Stimme einen ins Grand-Café zu gehen. Würde man angesprochen, solle man nichts sagen, einfach weitergehen, sich in einer Kabine der Toilette einschließen. “Wir haben Mittag!”, sagte die Dame an der Kasse.
(Galeriefoto 4) Auf der Toilette angekommen, machte die Stimme einen Test: Wie weit sei man bereit zu gehen, hätte man gute Ideen und könne man seinem Partner trauen? Mit dem Drücken von Zahlen auf dem Handy verändert sich die Geschichte zwischen den vier Mitspielern. Das wusste ich zu der Zeit aber noch nicht. Alles Geld, sagte die Stimme, solle man nun eng bei sich tragen. Vor dem Verlassen der Toilette empfahl sie, sich eine passende Ausrede parat zu halten. Denn der Toilettenbesuch sei schließlich von Nichtkunden ungern gesehen.
(Galeriefoto 5) Dann in die Gasse. Immer gerade aus. Die Stimme führt einen an Aufschriften vorbei, an Läden, Restaurants und Parkschildern. Und dann da: das Gebäude der Polizei. Vorsicht solle man walten lassen, normal wirken, nicht auffällig. (Galeriefoto 6) In Sichtnähe eines Schildes mit der Aufschrift “30 m” solle man sich positionieren.
Gehen Sie weiter, an den Containern vorbei, sagte der Auftraggeber am Telefon. Dann da, ein Auto, ein grüner VW. Man solle ihn aus sicherer Nähe beobachten, säße schon jemand in dem Wagen? Eine Person? Zwei? Niemand? (Galeriefoto 7) Ich solle mich auf den Fahrersitz setzen und die Zentralverriegelung aktivieren. Sei ich bereit für den Coup? Augen schließen und warten. Eine Geschichte. Wenn jemand an die Scheibe klopft, solle ich öffnen. Oder wolle ich die Sache allein durchziehen? Natürlich. Ich wollte.
(Galeriefoto 8 ) Zum Juwelier solle ich gehen. Er fragte mich, wie ich reagieren würde, spräche mich der dicke schnurrbärtige Sicherheitsmann der Bank an, würde ich ihn ruhig bitten und abweisen oder anschreien? Wenn ich das schon alleine durchziehe, dachte ich mir, dann kann ich auch schreien. Ob ich die Videobilder zerstören würde, die mich aufzeichneten oder mich strikt an den Plan halten? Ich drückte eine Zahl, um zu bestätigen, ich sei nicht fotogen. Er führte mich weiter. Ich solle mir schon einmal einen Fluchtplan überlegen, durch Leffers könne ich nicht zurück. Zu viele Menschen. Angst. (Galeriefoto 9) Durch den Herbartgang sollte ich mich der Volksbank nähern. Erst einmal solle ich die Bank beobachten, sagte er mir, und loslaufen, würde er einen Countdown von 10 herunterzählen, bei 0 angekommen würde ich in die Bank treten. (Galeriefoto 10) 10. Ich gehe los. 9. Angst. 8. Cool. 7. Jetzt wirklich? 6. Wo soll ich da hin? 5. Gleich. 4. 4! 4! Stop! Sofort verschwinden! Er riefe gleich zurück, wäre ich in Sicherheit. Ich floh. Ich wäre verraten worden.
(Galeriefoto 11) Banküberfälle seien ja sowieso nichts für mich, sagte er, ich sei nicht der Typ. Es sei besser, eine Tür nicht zu öffnen und vor ihr stehen zu bleiben. Zu Ende, dachte ich, recht plötzlich. Doch er führte mich am Lappan lang. Wie würde es nun weitergehen? Ich solle mich zur Bushaltestelle begeben. Beobachten. (Galeriefoto 12) Sähe ich eine bestimmte Person, ich solle zu ihr ein Signal geben, sie umarmen und ihr Geld zu stecken, welches ich ja nah bei mir trug. Da. Da war sie, die, die mich schon seit langem verfolgte. Die, die schon in der Nähe des Autos herumlungerte. Wir guckten uns an. Fünf Cent, dachte ich, mehr wollte ich dieser Verräterin dann doch nicht geben. Wir umarmten uns, sie steckte mir 50 Cent zu. Ups. Er würde sich nicht mehr melden. Ende.
Eine Schnitzeljagd für Erwachsene mit verschiedenen Geschichtssträngen macht Spaß – spannungsvoll war es fast wie im Film. (Galeriefoto 13) Auch die Miträuber waren begeistert. Noch kann man Karten – auf Deutsch und Englisch – auf der Facebookseite des PAZZ gewinnen, zehn Euro sind schließlich doch eine Investition.




