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PAZZ 2012: Die etwas andere Lesung

28. April 2012 PAZZ 2 Kommentare

Oldenburg/am. „White Rabbit, Red Rabbit“ heißt der Text des Iraners Nassim Soleimanpour, der mehr als ein Kaninchen aus dem Hut zaubert. Insgesamt gestalten fünf Schauspieler die Prima Vista-Lesung, das Stück ist ihnen unbekannt. Eine Überraschung für den Leser und das Publikum.

PAZZ 2012 - White rabbit, red rabbit

„White Rabbit, Red Rabbit“.
Foto: Andreas J. Etter

Als erster ging am Samstag Gregor Weber (saarländischer Tatortkommissar) in den „Ring“. Unruhig und erwartungsvoll nahm er den geschlossen Umschlag im Saal des Baumanagements an der Peterstraße entgegen. Tödliches Gift, ein paar Hasen und ein Bär gestalten das Spiel. 77 Zuschauer, ein Schauspieler und ein Autor in Abwesenheit folgten dem Text. Am Sonntag ließ sich „Kommissar“ Edgar Selge überraschen. Hingehen! Es lohnt sich: 24. April, 23 Uhr, Anna Thalbach, deutsch; 25. April, 23 Uhr, Chris Kondek, englisch; 27. April, 23 Uhr, John von Düffel, deutsch. Treffpunkt ist jeweils die „ContainerCity“.

Der Schriftsteller Nassim Soleimanpour verweigerte sich dem iranischen Wehrdienst. Deshalb besitzt er keinen Pass, kann nicht aus seinem Land ausreisen. Seine Geschichte „White Rabbit, Red Rabbit“ bringt ihn aber in die Welt. Auch wenn er nicht anwesend ist, so erfahren die Zuhörer/innen eine Menge über den Autor. Er lässt die Vorlesenden über sich berichten, sie sind die Vermittler zwischen ihm und dem Publikum. Die Veranstaltung beherrscht er mit seinen Anweisungen, die alle gemeinsam auszuführen haben – einige mehr, andere weniger. Wort für Wort, Handgriff und Aktion: Der Schriftsteller hat das Sagen. Beginnend mit Zirkusbesuch eines weißen Kaninchens scheint er einzelne Geschichte zu erzählen, die mit Informationen über ihn und sein Leben unterbrochen werden. Nach rund einer Stunde (je nach Lesart) wird klar: Wir sind alle weiße oder rote Kaninchen, eine andere Wahl besteht nicht, die Entscheidung muss getroffen werden.

Zwei von fünf Lesungen haben wir erlebt: Gregor Weber und Anna Thalbach. Unterschiedlicher konnte es kaum sein, man hatte fast das Gefühl zwei verschiedene Texte zu hören. Gregor Weber spielte „White Rabbit, red Rabbit“: Er stand vor dem Publikum, agierte mit Nummer 3, 5 und 9 (Zuschauer/innen, die auf die Bühne gerufen wurden) und auch mit den anderen Häschen, die ihren Part hatten. Anna Thalbach hingegen nahm die Bedeutung des Wortes „Lesung“ im eigentlichen Sinne ernst und untermalte den Text mit Gestik und Mimik. Es war ihr anzumerken, dass sie mit „Berliner Schnauze“ gerne Kommentare abgegeben hätte, was aber nicht erlaubt war. Die Schauspielerin sauste durch den Text, der so an Tiefe verlor. Am Ende lag Weber nach rund eineinhalb Stunden still auf dem Boden als das Publikum den Saal verließ. Thalbach saß längst wieder an ihrem Tisch, weniger als eine Stunde dauerte ihre Lesung. Es war eine interessante Erfahrung, dass ein Text je nach Vorleser so verschieden wahrnehmbar sein kann.

Nassim Soleimanpour aus Shiraz/Iran ist nun mein „Facebook-Freund“. „Helfen Sie mir dabei, mich mit Ihnen verbunden zu fühlen“, hatte er gebeten. Durch den Kontakt erfuhr ich, dass auch in New York Lesungen stattgefunden haben. Wer ihm schreiben möchte: nassim.sn@gmail.com.

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel:

  1. Volker Schulze sagt:

    Ein sehr gelungenes Projekt ist diese szenische Lesung. Von der darstellerischen Leistung, die Gregor Weber intuitiv zu leisten hatte mal ganz abgesehen. Warum dieser beeindruckende Saal aber der Oldenburger Öffentlichkeit verwehrt bleibt, ist mir ein Rätsel. Solch ein Saal muss kulturell genutzt werden. Da steht wohl mal ein Anruf beim Ministerium in Hannover auf der to do-Liste.
    Sehr spannend war zu erleben, wie Anna Thalbach diesen Text am Dienstag interpretiert hat. Aber ich will dem KuBe nicht vorweggreifen.

  2. Nassim Soleimanpour sagt:

    nassim.sn@gmail.com is the correct E-mail. 😉

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Kofferradios gesucht: Für die Produktion "Archiv des Unvollständigen", die im Mai bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen Premiere feiert und ab September auch in Oldenburg zu sehen ist, sucht das Staatstheater noch batteriebetriebene und funktionstüchtige Kofferradios. Sie können ab sofort an der Pforte des Staatstheaters, Einfahrt Roonstraße, abgegeben werden, eine Rückgabe ist nicht möglich.

Veranstaltungstipps der Woche

25. April, 17 Uhr DER PAPIERTIGER, Papiertheaterstück für Menschen ab acht Jahren mit der Oldenburger Kinderbuchmacherin und Künstlerin Heike Ellermann, Landesbibliothek Oldenburg.

25. bis 28. April JAZZAHEAD" 2013, Bremen.

Veranstaltungen für lau

26. April, 15 Uhr MÄDCHENTAG auf dem Abenteuerspielplatz, Brandsweg 60, Oldenburg. „Endlich wieder Mädchentag“ lautet das Motto für von 6 bis 13-Jährige mit Stockbrot backen, Filzworkshop, Malen, Schmieden, Spielen, Kletterwand, Airbrush-Tattoos und Haarzöpfe flechten.

11. Mai, 20 Uhr KAZOOYA, Konzert, Schlager, NDW, Funk und Surfrock Elemente garniert mit Sprechgesang, UmBAUbar, Stau, Oldenburg.

18. Mai, 20 Uhr FOKKO WOLKENSTEIN, Konzert, dadaistische Anti-Schlager-Elektro-Wortwitz-Show, UmBAUbar, Oldenburg.

25. Mai, 20 Uhr WALDEMAAR, Konzert, Martin Bengtsson, Ex-Fussball Talent von Inter Mailand, mit Band, UmBAUbar, Oldenburg.  

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